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Herrenberg Stadtrundgang

Im Herzen des Gäu gelegen, umgeben von viel Grün und Natur, Wäldern und Streuobstwiesen, bietet Herrenberg zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die es zu besichtigen gilt. In Herrenberg treffen das Flair einer liebevoll renovierten, mittelalterlichen Altstadt und eine aktive Bürgerschaft aufeinander. Herrenberg ist die flächenmäßig größte Gemeinde im Landkreis Böblingen, liegt 30 km südwestlich von Stuttgart und 20 km westlich von Tübingen. Das gesamte Kernstadtgebiet Herrenbergs liegt in einer Senke zwischen dem Schönbuch im Osten, den Schwarzwaldausläufern im Westen und jeweils höher gelegenen Teilen des oberen Gäus im Norden und Süden.

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Sehenswürdigkeiten in Herrenberg: Stadtbeschreibung | Stadtrundgang |

Marktplatz

Der Marktplatz beeindruckt durch sein geschlossenes Fachwerkensemble. Seit 1983 steht die Herrenberger Altstadt unter Denkmalschutz, außerdem ist Herrenberg Teil der Deutschen Fachwerkstraße. Mit Ausnahme des Rathauses, das 1806/07 erbaut wurde, stammen alle Häuser aus den Jahrzehnten nach dem zweiten großen Stadtbrand 1635. Wie viele Städte erlebte auch Herrenberg im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Brandkatastrophen. Fast alle Häuser waren aus Fachwerk errichtet, und überall gab es offene Feuerstellen. Bereits 1466 war ein großer Teil der Stadt abgebrannt, etwa 90 Häuser. Im Dreißigjährigen Krieg (1635) fielen dann 280 Häuser einem Feuer zum Opfer. Nur die Stiftskirche, die Propstei und einige wenige Häuser blieben verschont. Der Marktplatz war die erste Adresse der Stadt, rund um den Marktplatz wohnten die reichsten und angesehensten Bürger Herrenbergs, so z.B. im 17. und 18. Jh. die Handelsfamilie Khönle, denen damals drei der vier Häuser auf der Südseite des Marktplatzes gehörten.

Marktbrunnen

Einen Marktbrunnen gab es schon seit Gründung der Stadt, doch befand er sich ursprünglich in der Mitte des Marktplatzes. Er war einer der drei städtischen, d.h. öffentlichen Brunnen (die anderen beiden waren der Radbrunnen in der Tübinger Straße und der sog. Lämmlinsbrunnen in der Froschgasse) und wurde gespeist aus einem Quellreservoir auf der Affstätter Markung. Durch einen Marktbrunnen pflegte eine Stadt ihr städtisches Selbstbewusstsein zu zeigen, und so ist überliefert, dass es bereits im 15. Jh. einen aufwändigen, farbig bemalten und teilweise vergoldeten Marktbrunnen in Herrenberg gab. 1680 wurde der Brunnen an seinen jetzigen Standort verlegt und neu gestaltet.

Der Löwe auf der Säule hält das württembergische Herzogswappen: im viergeteilten Wappenfeld oben links die Hirschstangen des Hauses Württemberg, oben rechts die Rauten von Teck, unten rechts die Fische der lothringischen Grafschaft Mömpelgard, heute Montbéliard, die im 15. Jh. als Mitgift an die Württemberger kam, und unten links die Reichssturmfahne, da die Württemberger das Privileg hatten, in Kriegen des Deutschen Reiches das Banner vorauszutragen. Am Brunnenstock sind die Wappen des damals amtierenden Obervogtes Johann Eberhard von Varenbühler (viergeteiltes Wappen mit gekreuzten Streitkolben und Halbfigur eines Pferdes), des Untervogtes Johann Christoph Cantstetter (Halbfigur ohne Arme mit wehendem Kopfschmuck), des Bürgermeisters Johann Cunrad Forster (lilienartiges Wappen) und der Stadt Herrenberg angebracht.

Die in die Kanneluren des Schaftes eingelegten Flöten gibt es auch an Säulen im Hof des Alten Schlosses in Stuttgart: ein bewusstes Architekturzitat, das verdeutlicht, wer in Herrenberg das Sagen hat. 1908 wurde die stark verwitterte Brunnensäule erneuert.

Handelshaus Köhnle

Hans Jakob Khönle (1618-1675), Sohn eines Müllers aus Hildrizhausen, erlernte in Frankfurt oder Hanau den Beruf eines Kaufmanns. 1651 heiratete er eine Herrenberger Bäckerstochter. Zuerst handelte er mit Eisenwaren, die zur Zeit des Wiederaufbaus nach dem Dreißigjährigen Krieg stark nachgefragt wurden. Sein Geschäft florierte und er erweiterte das Warensortiment. Äußeres Zeichen seines Erfolges ist die Zunahme seines Immobilienbesitzes. Bereits 1652 kaufte Hans Jakob Khönle eine Hofstatt am Markt (Marktplatz 7, ehem. Marktapotheke), auf der er sein erstes Haus errichtete. Er erwarb auch die Hofstatt daneben (Marktplatz 6, 1663/64 bebaut), eine unbebaute Hofstatt in der Tübinger Straße sowie 1667 das Haus Schuhgasse 2.

Sein Sohn Johannes Jakob Khönle (1652-1731) führte das Unternehmen mit großem Erfolg weiter. In Frankfurt hatte er vier Läden, weitere in Tübingen, in Horb und am Marktplatz in Herrenberg. Durch Beziehungen nach Köln und in die Niederlande verkaufte er auch überseeische Produkte, so dass man im Khönle’schen Laden in Herrenberg neben Bedarfsgegenstände aus Metall und den verschiedensten europäischen Produkten auch Tabak aus Guyana, Zinn aus Indien, Weihrauch und Gewürze aus dem Orient, türkische Schnüre, Porzellan aus China und Kaffee aus Java kaufen konnte. Johann Jakob Khönle erwarb 1678 den Hofstattplatz Ecke Marktplatz/Tübinger Straße, so dass der Familie Khönle fast die gesamte Südseite des Marktplatzes gehörte. Er kaufte und leitete zudem die dritte Ammermühle.

Von diesem Gebäude stammen die geschnitzten Eckpfeiler, die Johann Jakob Khönle und zwei seiner vier Ehefrauen als Verkörperungen der Jahreszeiten darstellen und die im Fruchtkasten ausgestellt sind. Durch sein Vermögen konnte Johann Jakob Khönle der Stadt Herrenberg, als diese im Pfälzer Erbfolgekrieg von französischen Truppen bedroht wurde und immer wieder Militär in der Stadt lagerte, finanziell über die Runden helfen. Aus seiner dritten Ehe stammte sein gleichnamiger Sohn Johann Jakob (1689-1733), ebenfalls ein erfolgreicher Kaufmann, der 1717 seinen eigenen Laden im Haus Ecke Marktplatz/Tübinger Straße eröffnete. Dessen Witwe heiratete Christoph Adam Erhardt aus Urach (1704-1773). Er führte das Khönle’sche Familienunternehmen erfolgreich weiter und war zudem von 1752-1766 Bürgermeister in Herrenberg. Da er und seine Frau keine Nachkommen hatten, legte er sein Vermögen in wohltätigen Stiftungen und Spenden für kirchliche Zwecke an.

Rathaus

Das heutige Rathaus wurde 1806 als verputzter Fachwerkbau errichtet. Es trat an die Stelle eines Vorgängerbaus von 1649, doch hat es auch schon vorher ein Rathaus gegeben, das erstmals 1450 erwähnt wird. Im Rathaus fanden Sitzungen der Bürgervertreter statt, es wurde auch Gericht gehalten sowie Umtrunke und Festessen gegeben. In der offenen Halle im Untergeschoss, die für die beiden Vorgängerbauten des heutigen Rathauses belegt ist, wurde mit Fleisch, Brot und Salz gehandelt.

Die Gewölbe unterhalb der Terrasse neben dem Rathaus (heute öffentliches WC) verpachtete die Stadt als Ladengeschäfte, in einem der Gewölbe bewahrte die Stadt ihren Geldschatz auf und zeitweilig war hier auch die Stadtwache untergebracht. Bis ins 19. Jahrhundert wohnten der Schultheiß oder Bürgermeister und der Amtsdiener im Rathaus. Das Steinrelief neben dem Eingang stammt von einem der Stadttore, dem 1823 abgerissenen Nufringer Tor, und ist um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden. Es zeigt, ebenso wie das Wappen am Giebel, das Herrenberger Stadtwappen, nämlich die dreilatzige Gerichtsfahne der Pfalzgrafen von Tübingen, der Stadtgründer.

Ehemaliges Gasthaus zum Deutschen Kaiser

In der Nähe des 1823 abgerissenen Nufringer Tores hat eine kleine Gruppe von Häusern den Stadtbrand von 1635 unbeschadet überstanden. Die Gebäude Stuttgarter Straße 18, 14, 17 und 22, stammen im Kern aus der Zeit vor 1635, wurden aber teilweise später verändert. Das ehemalige Gasthaus „Zum Deutschen Kaiser“ (Stuttgarter Straße 18) ist eines der ältesten erhaltenen bürgerlichen Häuser der Stadt, möglicherweise stammt es sogar schon aus der Zeit vor dem ersten Stadtbrand 1466.

Die Fachwerkbauweise ist typisch für das 15. Jahrhundert, vor allem die Verblattungen (zwei miteinander zu verbindende Balken werden beide so ausgeschnitten, dass sie plan übereinander zu liegen kommen) sowie die starken Geschossvorkragungen. Diese sind auch beim Gebäude Stuttgarter Straße 22 zu sehen (linker Teil des Gebäudes). Wohl seit Beginn des Deutschen Kaiserreiches 1871 gab es in der Stuttgarter Straße 18 die Gaststätte „Zum Deutschen Kaiser“, die bis 1989 bestand. 1990 wurde das Gebäude renoviert und dabei nach alten Befunden die originale Bemalung des Fachwerks in Ocker mit Schmuckstrichen an den Rändern der Gefache wiederhergestellt. Bei Grabungen im Keller des Gebäudes entdeckte man sogenannte Nachgeburtsbestattungen. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert war es ein verbreiteter Brauch, die Plazenta in Töpfen im Keller zu vergraben, um das neugeborene Kind vor bösen Einflüssen zu schützen. Ähnliche Funde sind aus der näheren Umgebung, z.B. aus Sindelfingen, aber auch aus dem Heilbronner und Ludwigsburger Raum bekannt.

Löwenstaffel

Benannt nach dem früheren Gasthaus zum Löwen im Gebäude Stuttgarter Straße 11. Die Stufen der Treppe (schwäbisch: „Staffel“) aus Sandstein sind stark ausgetreten. Dieser Abrieb wurde besonders durch Schuhe erzeugt, die man mit Nägeln beschlagen hatte, um die Ledersohlen haltbarer zu machen. Aus Sparsamkeitsgründen hat man die ausgetretenen Steinstufen nicht durch neue ersetzt, sondern einfach umgedreht. Sie wurden in ein Mörtelbett gesetzt, das im Laufe der Zeit herausgewittert ist.

Untere Froschgasse

Am Ende der Froschgasse, in dem Winkel, wo die Stadtmauer einen Knick machte, um zum Nufringer Tor aufzusteigen, stand ein Turm, der im 17. Jh. „Gallen“ genannt wurde und den man als Gefängnis nutzte. Ganz in der Nähe befand sich das „Frauenhaus“, nämlich das Bordell, das unter städtischer Aufsicht stand und dessen Existenz seit 1446 belegt ist. Es wurde im Zuge der Reformation geschlossen.

Im vor der Stadtmauer liegenden Zwingerbereich war der herrschaftliche Hundestall untergebracht, der die Hunde für die Schönbuch-Jagden der württembergischen Grafen und Herzöge beherbergte. Jede württembergische Amtsstadt musste auf eigene Kosten 3-4 Hunde für die Herrschaft unterhalten.

Affstätter Tor

Mit dem Affstätter Tor schuf man 1484 nachträglich einen Stadtmauerdurchbruch, um bei Feuer schnell zur davor liegenden Wette (Viehtränke) bzw. zum Feuersee gelangen zu können. Die Wette erstreckte sich direkt vor der Stadtmauer entlang der heutigen Seestraße. Diese hat ihren Namen von den zwei ehemals außerhalb von Herrenberg gelegenen Seen, die zur Fischzucht genutzt wurden.

Einer lag vor dem Bronntor und einer unterhalb des Nufringer Tores (heutiges Stadthallengelände). Vor der Stadtmauer in der Nähe der Seen gab es zwei öffentliche Waschhäuser, da das Waschen mit heißem Wasser innerhalb der Stadt wegen der Feuersgefahr verboten war. Die Seen wurden im 16. und im 18. Jh. trocken gelegt. Die Froschgasse verdankt ihren Namen dem wohl noch über die Stadtmauer hinweg hörbaren Gequake der Frösche in den Gewässern. Weil ein hier ansässiger Gerber von der Stadt die Erlaubnis erhielt, seine Häute unter dem Tor zum Trocknen aufzuhängen, wurde das Tor 1537 erstmals als „des Gerbers Tor“ und danach meistens als „Gerbertor“ bezeichnet.

Alte Badstube

In Herrenberg gab es zwei Badstuben. Die ältere wurde schon mit der Stadtgründung im 13. Jh. eingerichtet, eine weitere 1342 in der heutigen Badgasse 19.

Die Alte Badstube stand nicht direkt an der Badgasse, sondern hatte zur Straße hin einen kleinen Garten mit Zugang zum Badhaus und grenzte ursprünglich hinten an die Stadtmauer. Die Wasserversorgung gewährleistete ein nahe des Hauses gelegener Grundwasserbrunnen, der „Baadbrunnen“, der noch 1774 zum Grundstück des Hauses Badgasse 31 gehörte.

Teile der Alten Badstube waren bereits im 1880 abgebrochen und zu einer Färberwerkstatt umgebaut worden, 1983 wurde das gesamte Gebäude abgerissen. Das Erdgeschoss war aus massivem Sandsteinmauerwerk erbaut. Erkennbar war noch, dass die eigentliche Badstube eine Größe von ca. 10,70 x 9,90 einnahm und mit einem neunteiligen Kreuzgratgewölbe überspannt war, das auf vier Sandsteinpfeilern in der Raummitte ruhte. Nachdem beim Stadtbrand 1635 beide Badstuben abgebrannt waren, wurde vorerst kein Badebetrieb mehr aufgenommen und die Gebäude wurden mit bürgerlichen Wohnungen überbaut. Interessanterweise berichten jedoch Quellen von 1853 und 1874, dass im hier wieder ein öffentliches Bad eingerichtet war: eine „Badeanstalt“ bzw. „3 Badekabinette mit Bretterabscheidungen“.

Die öffentlichen Bäder im Mittelalter waren üblicherweise Schwitzbäder, vergleichbar der heutigen Sauna. Wannenbäder nahm man dort selten. Das Schwitzbad begann mit dem Ablegen der Kleider, dann wurde der Badegast mit lauwarmem Wasser übergossen und seine Haut mit einem Rutenbündel gerieben, bevor er sich in die eigentliche Badstube mit Ofen und gestuften Bänken begab, wo eine trockene Hitze herrschte. Von Zeit zu Zeit wurden erhitzte Steine mit Wasser übergossen. Danach wusch sich der Badegast mit Lauge oder Seife mit einem Badeschwamm ab und legte sich anschließend auf ein Ruhebett.

Im Mittelalter waren Badstuben Orte geselligen Beisammenseins, wobei es, wie zeitgenössische Bild- und Textquellen belegen, manchmal alles andere als prüde zuging. Außer dem eigentlichen Bad konnte man in den Badhäusern verschiedene Dienstleistungen rund um die Körperpflege wie z.B. Haar- und Bartscheren in Anspruch nehmen, teilweise wurden wohl auch Speisen und Getränke gereicht. Die Bader boten zudem eine medizinische Grundversorgung an. Üblich war das Schröpfen und der Aderlass, aber auch das Ziehen von Zähnen, die Behandlung von offenen Wunden oder das Richten gebrochener Gliedmaßen.
ie mittelalterliche Badekultur fand ihr Ende vor allem durch die stark ansteigenden Holzpreise im 16. und 17. Jahrhundert.
Geteilte Stadt

Die Grafenbrüder Konrad I. und Rudolf III. „der Scherer“ von Tübingen teilten 1334 ihr gemeinsames Erbe mit Ausnahme der Stadt Herrenberg.1347 teilten sie schließlich auch Herrenberg. Die Bronngasse diente dabei als Trennlinie. Jeder Bruder erhielt eine Hälfte der Stadt: Graf Konrad fiel die obere Stadt, d.h. die südliche Hälfte zu, während Rudolf die untere Stadt, d.h. die nördliche Hälfte erhielt.
Da die nördliche Hälfte einkommensschwächer war, bekam er noch einige andere Besitzungen als Ausgleich dazu. Fortan gab es zwei Stadtverwaltungen und zwei verschiedene Stadtsiegel. Gemeinsam blieben Verkehr und Wasserversorgung sowie die Nutzung der Wirtshäuser und der Badstuben. Dieser Zustand blieb bestehen bis zum Verkauf der Stadt an Württemberg 1382, also 35 Jahre lang.

Bebenhäuser Klosterhof

Ehemaliger Pfleghof des Klosters Bebenhausen, der zum Sammeln der Erträge der umliegenden Ländereien des Klosters, dem Handel mit klösterlichen Produkten und den damit verbundenden Verwaltungsaufgaben diente. Nach der Inschrift an einem Eckquader zur Bronngasse hin wurde das Sockelgeschoss 1484 erbaut. Die beim Stadtbrand 1635 zerstörte Obergeschosse errichtete man 1664-1669 neu. Dabei schmückte man die Fenster mit barocker Scheinarchitekturmalerei.

Seit dem Wiederaufbau war der Bebenhäuser Klosterhof der Sitz des Verwalters der sogenannten Stifts- und Geistlichen Verwaltung. Dieser Institution unterstanden die ehemaligen Besitzungen von geistlichen Einrichtungen, die in der Reformation aufgelöst worden waren, so z.B. des Herrenberger Chorherrenstiftes. 1819–1868 war hier das Hofkameralamt eingerichtet und 1875–1881, während des Baues der Gäubahn, war das Gebäude im Besitz der königlichen Eisenbahnverwaltung.

Ab 1881 hatte hier die Haushaltungsschule, von 1902-1964 die Frauenarbeitsschule (im Volksmund auch „Knopflochkaserne“ genannt) ihren Sitz, dazu kam noch ab 1937 ein Kindergarten, das sog. „Schüle“. Bis 1984 war eine Sonderschule eingerichtet, heute laden Semiar- und Vereinsräume zu geselligem Leben und Lernen ein.

Stadtbefestigung und Bronntor

Durch ihre umlaufenden Mauern bildeten Schloss und Stadt Herrenberg eine Großfestung. Vom Berg herab zum bis Hagtor und zur Propstei zählten die Mauern noch zum Schlossbereich. Die Stadtmauer entstand mit der Stadtgründung im 13. Jahrhundert Von 1126 m Gesamtlänge sind noch rund 620 m erhalten. An den Bergflanken, wo ein Angriff unwahrscheinlicher war, hielt man eine einfache Mauer für ausreichend. Unten in der Ebene, wo ein großes Heer auf breiter Front angreifen könnte, war die Stadt doppelt gesichert. Dort umlief ein tiefer Graben die Stadt, außerdem gab es vor der Stadtmauer noch eine niedrigere „Zwingermauer“ mit Rondellen zum Aufstellen von Geschützen. Wenn es dem Feind gelungen war, den Graben zu durchqueren und die Zwingermauer zu übersteigen, war er immer noch nicht in der Stadt. In dem Bereich zwischen Zwingermauer und Stadtmauer, im sogenannten „Zwinger“, konnte der Feind dann noch bekämpft werden. Zinnen und Schießscharten vervollständigten die Wehrhaftigkeit der Stadtmauer.

Drei hohe Haupttore führten in die Stadt: das Nufringer Tor im Norden, das Bronntor im Westen und das Tübinger Tor im Osten. Alle drei Haupttore waren als Doppeltore ausgeführt, d.h. vor dem Tor überspannte eine Zugbrücke den Graben, und auf der gegenüberliegenden Seite stand noch ein Tor. Nebentore waren das Hagtor im Norden an der Grenze von Schlossbereich und Stadtmauer sowie das Gerbertor oder Affstätter Tor im Westen, das erst im 15. Jahrhundert als Zugang zu den Seen bei Feuergefahr angelegt wurde. In der Nordwestecke der Stadtmauer gab es einen als Gefängnis genutzten Turm, ein weiteres Türmchen stand auf Höhe der Stiftskirche in der nördlichen Stadtmauer. Die Haupttore und das Gerbertor wurden in den 1820er Jahren abgerissen.

Spitalbezirk

Das Herrenberger Spital entstand um 1400 durch eine Stiftung des Herrenberger Bürgers Johannes Huter mit Beteiligung der Stadt. Der Zweck war die Schaffung einer Herberge für arme und alte Menschen, es war kein Krankenhaus. Dabei konnten sich finanzkräftige Pflegebedürftige mit ihrem Vermögen eine „reiche Pfründe“ kaufen, d.h. im Gegensatz zu den Armen, die in einem Gemeinschaftstrakt bei recht magerer Kost lebten, erhielten die reichen Pfründner bevorzugte Unterkunft und Verpflegung.

Durch solche Kapitalzuflüsse konnte das Spital Felder, Wälder (Spitalwald bei Haslach!) und Mühlen erwerben und entwickelte sich zu einem florierenden Wirtschaftsbetrieb, der die Armenfürsorge und die Unterstützung der städtischen Bevölkerung in Notzeiten gewährleisten konnte.

Zum Spital gehörte ursprünglich die Spitalkirche zum Hl. Geist, die auf dem Stadtgrundstück des Stifters Johannes Huter errichtet wurde und das Gebäude Spitalgasse 15. Dieses Grundstück hatte die Stadt zur Verfügung gestellt. Hier hatte wahrscheinlich die Herrenberger Synagoge gestanden, die in der Teilungsurkunde von 1347 (siehe „Geteilte Stadt Herrenberg„) erwähnt wurde. Danach hört man nichts mehr von den Juden, vermutlich aufgrund der Verfolgungen während der Pestjahre 1348/49.

Nach dem Stadtbrand 1466 wurde das Spital erheblich erweitert, nachdem 1467/68 unterstützt vom Bischof von Konstanz, der Erzherzogin Mechthild und dem Stadtregiment landesweit für die Wiederherstellung des Herrenberger Spitals gesammelt worden war. Das Anwesen Spitalgasse 18 mit zwei an die Stadtmauer grenzenden Gebäuden und die heutige Schulstr. 7 wurden erworben.

Auf dem Grundstück Spitalgasse 18 errichtete man 1531/32 den „Neuen Bau“ mit Kellern, Wirtschaftsräumen, Wohnräumen für reiche Pfründner (diese waren holzvertäfelt), für den Spitalmeister und das Gesinde. Das Gebäude brannte 1635 ab (das heutige Haus ist von 1780).

Der Spitalbrunnen wird 1566 erstmals erwähnt. In einem Spitalgebäude tagten nach dem Stadtbrand 1635 vorübergehend Rat und Gericht. Bis zum Wiederaufbau des Pfarrhauses 1662 hat man den Dekan Elias Springer notdürftig im Spital einquartiert. Er war der einzige Dekan, der je im Spital gewohnt hat. Entgegen früherer Überlieferungen wurde demnach Johann Valentin Andreae nicht in einem Spitalhaus geboren, sondern im Pfarrhaus, wo der Sitz des Dekans war (Burgrain 3). In der Spitalgasse 15 war von 1709-1901 die Lateinschule, in Schulstraße 7 von 1756-1779 die Deutsche Schule untergebracht, außerdem bis 1936 die Kleinkinderschule.

Geburtshaus Heinrich Schickhardt

An dieser Stelle stand das Haus der Familie Schickhardt. Heinrich Schickhardt der Ältere, der Meister des Herrenberger Chorgestühls, hatte es 1512 erworben. Er war um 1500 aus Siegen in Westfalen nach Herrenberg gekommen. 1558 wurde hier sein Enkel Heinrich Schickhardt der Jüngere geboren. Wie sein Vater, Großvater und Onkel lernte auch er zuerst das Schreinerhandwerk.

Bei den 1577 in der Propstei durchgeführten Umbauarbeiten kam er in Kontakt mit dem württembergischen Hofbaumeister Georg Beer, der ihn zu seinem Assistenten machte. Heinrich Schickhardt gelang im folgenden eine glänzende Karriere, er wurde zum bevorzugten Baumeister Herzog Friedrichs und führte zahlreiche Projekten in Württemberg und im damals württembergischen Mömpelgard (Montbéliard in Lothringen) aus. Durch Reisen nach Italien brachte er die moderne Renaissance-Baukunst und technische Neuerungen in seine Heimat. 1635, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde Heinrich Schickhardt von einem kaiserlichen Soldaten erstochen.

Geburtshaus Wilhelm Schickhardt

In der Lücke zwischen den Häusern Am Graben 36 und 38, nach hinten an die Stadtmauer angebaut, stand das Geburtshaus von Wilhelm Schickard. Er war der Neffe des Baumeisters Heinrich Schickhardt. Zunächst hatte er eine geistliche Laufbahn eingeschlagen, wurde dann aber vom Herzog als Professor des Hebräischen an die Universität Tübingen berufen. Später lehrte er dort auch Astronomie.

Wilhelm Schickard war ein vielseitig interessierter und begabter Mann: er betätigte sich als Kartograph und Maler, studierte zahlreiche orientalische Sprachen und stand mit vielen berühmten Gelehrten der verschiedensten Fachrichtungen in Briefkontakt, so z.B. mit dem Astronomen Johannes Kepler.

Als seine größte Leistung wertet man heute die Erfindung der ersten mechanischen Rechenmaschine im Jahr 1623. Wilhelm Schickard starb 1635 in Tübingen an der Pest.

Fruchtkasten

Der Fruchtkasten markiert die Südostecke der Altstadt. Der heutige gewaltige Fachwerkbau wurde 1683/84 errichtet und ist das zweitgrößte historische Gebäude Herrenbergs nach der Stiftskirche. Im Kern ist das Bauwerk jedoch weit älter. Ein Steinbau aus dem 13. Jh., den Gründungsjahren der Stadt, ist noch innerhalb des Fruchtkastens erhalten. Von außen ist er an einem kleinen doppelbogigen Fenster an der Ostseite zu erkennen ist. Vielleicht wohnten hier Dienstleute der Pfalzgrafen mit der Aufgabe der Verteidigung des Tübinger Tores. Zur Stadtverteidigung, aber wahrscheinlich erst später angebracht, gehörte auch der mit Schießscharten versehene Beobachtungserker an der Südostecke des Gebäudes. Eine Inschrifttafel daran erinnert an die Erstürmung Herrenbergs im Bauernkrieg: „AN DEM 8 Tag MAII IST HERRENBERG GESTVRMT WORDEN VON 30 DVSEN (tausend) PVRN (Bauern) 6 STVND LANG 1525„.

Beim Bau des Fruchtkastens im 17. Jahrhundert überbaute man einen Teil der Stadtmauer sowie die alte Kelter. Herrenberg war bis ins 19. Jahrhundert Weinanbaugebiet. Im Inneren des Fruchtkastens wurde der „Zehnt“, d.h. die Abgaben von Ernteerträgen an die Herrschaft, gelagert. Nachdem der Zehnt 1851 abgeschafft worden war, musste die Stadt das Gebäude erwerben. Man unterteilte den Fruchtkasten in kleinere Raumeinheiten und vermietete diese als Lagerräume. Heute ist im Fruchtkasten eine stadtgeschichtliche Ausstellung zu sehen (Öffnungszeiten: Jeden letzten Sonntag im Monat von 15-18 Uhr).

Hirsauer Klosterhof

Das Kloster Hirsau besaß schon Ende des 14. Jhs. ein Haus in Herrenberg (Tübinger Straße 22), das als Unterkunft für Hirsauer Mönche und als Gästehaus der Abtei genutzt wurde. Die Häuser Schuhgasse 23 und 25 wurden im 15. Jh. erworben und die Grundstücke mit Kornhäusern bebaut, um Produkte aus Hirsauer Besitzungen hier zu lagern und zu vermarkten. Nr. 23 wurde nach dem Stadtbrand 1635 erbaut, im 19. Jh. teilweise verändert, um 1870 wurden hier Elementarklassen der Deutschen Schule unterrichtet, Nutzung als landwirtschaftlicher Betrieb bis 1961.
Die außerhalb der Stadtmauer stehende ehemalige Scheune (Tübinger Straße 31/1) gehörte ursprünglich zum Hirsauer Hof. Das heutige Haus Nr. 25 stammt aus dem 18. Jh. Es ist eines der wenigen in Herrenberg erhaltenen kleinbürgerlichen Wohnhäuser dieser Zeit.

Der Turm

Das heutige Gebäude wurde 1834 erbaut, an der Stelle und auf den Grundmauern des früheren herrschaftlichen Marstalls, wo die Pferde, Wagen und Kutschen der Herrschaft untergebracht waren. Im 19. Jh. befand sich hier eine Arrestzelle des Oberamtsgefängnisses, außerdem im oberen Stockwerk die Wohnung des Oberamtsdieners sowie ein Quarantäneraum für Personen, die an ansteckenden Krankheiten litten. In den unteren Räumen bewahrte die Gemeinde ihre Feuerspritzen auf.

Vogtei und Oberamt

Nach dem Stadtbrand von 1635 wurde das heutige Gebäude im Jahre 1655 anstelle des früheren herrschaftlichen Fruchtkastens als Vogtei und Kellereiverwaltung neu aufgebaut. Hier wohnte der Vogt, der örtliche Stellvertreter des Herzogs, dem Gerichtsbarkeit, Steuerwesen und städtische Militärangelegenheiten oblagen, so auch der als Herrenberger Chronist bekannte Vogt Gottlieb Friedrich Heß (1697-1761). Nachdem 1759 die Vogteien aufgelöst und zu Oberämtern wurden, war hier die Oberamtei eingerichtet, 1928 – 1938 diente das Gebäude als Landratsamt, heute als städtisches Verwaltungsgebäude.

Wohnhäuser der Geistlichkeit

Das heutige Haus Am Burgrain 2 wurde 1676-1682 erbaut und war Wohnsitz des Diakons oder zweiten Stadtpfarrers. Hier starb am 15. Oktober 1693 der erst 23jährige württembergische Prinz Johann Friedrich, der Sohn Herzog Eberhards III., nachdem er bei einem Pistolenduell mit dem österreichischen General Graf Johann IV. Pálffy von Erdöd auf einem Feld bei Affstätt tödlich verwundet worden war.

Johann Friedrich hatte nämlich einen Husaren aus dem Regiment Pálffys beim Obststehlen ertappt und vom Baum geschossen. Daraufhin forderte General Pálffy den württembergischen Prinzen zum Duell.

Der Dekan wohnte schräg gegenüber Am Burgrain 3. An Stelle des dort um 1900 erbauten Gebäudes (mit Erkertürmchen) stand seit dem 13. Jh. das Pfarrhaus, das am höchsten gelegene Haus der Gründungsstadt. Hier wohnten von 1551-1749 die Dekane, damals auch „Spezialsuperintendenten“ genannt. Als Sohn eines Dekans wurde nach neueren Erkenntnissen hier der berühmte Theologe und Schriftsteller Johann Valentin Andreae (1586-1654) geboren.

Deutsche Knaben- und Mädchenschule


Ehemaliges Pfründhaus, das zur Besoldung und als Wohnsitz eines weltlichen Chorherren gedient hatte. 1653/54 Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1635. Nach der Reformation war hier die Deutsche Schule eingerichtet worden, die von Kindern besucht wurde, deren Berufsziel kein Studium erforderte. Es wurde Lesen, Schreiben und Grundkenntnisse im Rechnen vermittelt, außerdem hatte die religiöse Unterweisung hohen Stellenwert. Fremdsprachen wurden nicht gelehrt.

Bis 1712 gab es für Jungen und Mädchen nur eine Deutsche Schule und einen Schulmeister, der auch in der Schule selbst wohnte. Danach wurde ein zweiter Schulmeister eingestellt und Jungen und Mädchen getrennt. Seit 1756 war die Deutsche Knabenschule im Spital untergebracht, 1779 erfolgte dann der Neubau der Deutschen Schule in der Schulstr. 7 auf zwei abgebrochenen ehemaligen Spitalhäusern.

Kinder mit Ambitionen zum Studium besuchten die Lateinschule, die in einem nicht mehr erhaltenen Gebäude oberhalb der Stiftskirche an der Stadtmauer und ab 1709 in einem Spitalgebäude untergebracht war.

Evangelische Stiftskirche St. Marien

Der Name „Stiftskirche“ erinnert an die Zeit von 1439-1537, als an der Herrenberger Pfarrkirche ein Chorherrenstift angesiedelt war. Die Geschichte der Stiftskirche beginnt mit dem Bau einer Vorgängerkirche ab ca. 1250 (Chor- und Westmauerfundamente wurden bei der Sanierung in den 1970er Jahren ausgegraben). Eine Weihe an St. Maria vor 1284 ist urkundlich belegt. Danach muss von den Bauherren, den Pfalzgrafen von Tübingen, eine Planänderung veranlasst worden sein. Diese zeigt sich in der Erweiterung des Chores, der Verlängerung des Baus nach Westen und dem Einbau einer repräsentativen Herrschaftsempore. Altarweihen sind für 1293 und 1328 überliefert. Die Einwölbung des Chores folgte 1390, die ursprünglich zwei Türme und die Gewölbe von Langhaus und Westbau wurden um 1490 fertiggestellt. Die Südvorhalle mit gotischem Kielbogen, Christuskopf und Wappen wurde kurz nach 1495 angebaut. Ihre charakteristische barocke Haube erhielt die Kirche 1749, nachdem 1742 der Blitz in die beiden Kirchtürme eingeschlagen hatte. Seit ihrer Erbauung hatte die Kirche fortwährend statische Probleme durch den instabilen Untergrund. Wiederholt mussten Renovierungen und Stützmaßnahmen erfolgen. Die letzte umfangreiche Sanierung und Stabilisierung der Kirche fand in den Jahren 1971-1982 statt.

Die Stiftskirche ist eine der ältesten Hallenkirchen und besitzt das früheste Rosenfenster Schwabens. Von der Ausstattung sind besonders der gotische Taufstein (1472), die reichgeschmückte Steinkanzel (1502-04) sowie das prachtvolle geschnitzte Chorgestühl, das in der Werkstatt von Heinrich Schickhardt d.Ä. und unter Mitwirkung des Meisters Christoph von Urach geschaffen wurde (1517), hervorzuheben. Der ehemalige Hochaltar der Stiftskirche von Jerg Ratgeb, der sog. „Herrenberger Altar“ (1519) befindet sich heute in der Staatsgalerie Stuttgart.

Propstei

Der Name „Propstei“ stammt aus der Zeit zwischen 1481 und 1517, als hier die Chorherrengemeinschaft der „Brüder vom Gemeinsamen Leben“ mit ihrem
Vorsteher, dem Propst, wohnte. Ursprünglich war das Gebäude um 1440 von den Grafen von Württemberg als Schlösschen für ihre Jagdausflüge in den Schönbuch errichtet worden, da das über 250 Jahre alte Schloss auf dem Berg nicht mehr komfortabel genug war. Graf Eberhard im Bart übergab den „Brüdern vom Gemeinsamen Leben“ 1481 das Anwesen als Wohnhaus. Für sie wurde es innen umgebaut, ein Garten angelegt und ein Weingarten oberhalb des Hauses erworben. Propst Johannes Rebmann ließ um 1502 den Kapellenerker zur Stadtmauerseite hin anbauen. Nach der Reformation wurde die Propstei Sitz des Obervogtes. Von 1548-51 waren spanische Soldaten hier einquartiert, nachdem Herzog Ulrich im Schmalkaldischen Krieg auf der Verliererseite mitgekämpft hatte und Herrenberg durch Truppen Kaiser Karls V. besetzt worden war. Die Spanier forderten den Wiederaufbau von Chorgestühl und Ratgeb-Altar in der Stiftskirche, so dass der Erhalt dieser Kunstwerke ihnen zu verdanken ist.

Ab 1577 ließ Herzog Ludwig die Propstei zu einem angemessenen herrschaftlichen Quartier um- und ausbauen. Bei dieser Gelegenheit kam der Kontakt zwischen Hofbaumeister Georg Beer und dem Herrenberger Schreiner Heinrich Schickhardt zustande, der im folgenden Beers Assistent wurde und besonders unter Herzog Friedrich I. eine steile Karriere als Baumeister machte. Nach der verlorenen Schlacht von Nördlingen 1634 wurde Herrenberg wieder von Kaiserlichen besetzt. Die Jesuiten verwalteten von 1636-1648 das Herrenberger Kirchengut, und deren Verwalter wohnte in der Propstei, ebenso wie der Obervogt. Von Anfang an gehörten umfangreiche Wirtschafts- und Gartenanlagen zu dem Anwesen: geräumige Keller, Küche und Pfisterei (Bäckerei), Kornhaus und Ställe. Außer Nutz- und Weingarten erwähnen Dokumente des 17. Jahrhunderts sogar hier wachsende Maulbeerbäumen, deren Blätter in die herzogliche Seidenraupenzucht nach Stuttgart geschickt wurden. Bis ins 18. Jh. kamen wiederholt herrschaftliche Jagdgesellschaften in die Propstei. Nachdem 1734 die Obervogteien als Ämter abgeschafft worden waren, wurden herrschaftliche Beamte einquartiert. Seit 1749 bis heute ist die Propstei Amtssitz und Wohnung der Dekane.

Beginenhaus

Die Beginen waren unverheiratete Frauen, die sich zu einem frommen, besitzlosen gemeinsamen Leben unter der Leitung einer „Mutter“ zusammenfanden. Sie gehörten keinem Orden an, befolgten aber eigene Armuts- und Keuschheitsgelübde. Wegen ihres klosterähnlichen Lebens wurden sie im Volksmund häufig als „Nonnen“ bezeichnet, wegen ihre Kleidung auch „Schwestern der Grauen Sammlung“. Diese Frauen übernahmen Aufgaben bei der Versorgung von Armen, Kranken und Sterbenden. Für die Kirche backten sie Hostien, fertigten Kerzen und pflegten die liturgischen Gewänder und Altartücher. Im Gegensatz zu „echten“ Nonnen konnte eine Begine die Gemeinschaft aber wieder verlassen und auch heiraten. Die Herrenberger „Nonnen“ wurden seit 1469 erwähnt, sie hatten wohl zuerst ein Haus am Burgrain.

1488 brachte Wenzel Melweiß, der Propst der an der Stiftskirche ansässigen Chorherrengemeinschaft der „Brüder vom Gemeinsamen Leben“, einige „Nonnen“ von Urach nach Herrenberg. Im folgenden Jahr wurde das im Winkel zwischen Stadt- und Kirchhofsmauer unterhalb der Lateinschule gelegene Anwesen von Stift und Stadt gemeinsam erworben und als „Nonnenhaus“ eingerichtet.

Als 1517 die „Brüder vom Gemeinsamen Leben“ aufgelöst wurden, baten die Schwestern den Papst um Eingliederung in einen Bettelorden. Er ordnete an, dass sie die Regel des dritten Orden der Franziskanerinnen annehmen sollten. Nach der Reformation ließ man den Orden aussterben; die letzte Begine starb 1580 im Herrenberger Spital.

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