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Niedereschach Bergwerke

Amerika war gerade durch Christoph Kolumbus wiederentdeckt, da gruben sich unweit des heutigen Niedereschach bei Villingen-Schwenningen ein paar Männer in den Buntsandstein.

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Vermutlich waren bereits anderthalb tausend Jahre zuvor schon einmal Bergleute damit beschäftigt, der Tiefe die Kostbarkeiten zu entreißen: Silber, aber auch blau und grün schimmernde Gesteinsbrocken. Dirk Stecker und Frank Zepf betrachten einen farbigen Gesteinsbrocken. “Azurit und Malachit!” sagt Dirk Stecker nach einem prüfenden Blick. “Blauer Azurit, grüner Malachit. Beide sind kupferhaltig.” Nach diesen beiden Halbedelsteinen haben vermutlich schon die Römer, auf jeden Fall die Bergleute im Mittelalter fieberhaft gesucht.

Das rote Metall war schon immer begehrt: Dank seines relativ niedrigen Schmelzpunktes ließ es sich leicht zu Werkzeug und Waffen verformen. So gesehen stehen Dirk Stecker und Frank Zepf vor einem Stück Montangeschichte, das es – wenn man den Einheimischen glauben sollte – eigentlich gar nicht geben dürfte: Hier in Schabenhausen sowie in der gesamten Region wurde früher Bergbau betrieben.

Doch erst in den beiden Stollen “Karl im Mailänder” sowie “Otto am Kohlerberg” offenbart sich eine kleine Sensation, die zunächst sogar die Fachleute vom Landesbergbauamt, unter dessen bergrechtlicher Aufsicht die Freizeit-Bergleute vom Verein “Forschungs- und Arbeitsgemeinschaft für historischen Bergbau” ihre Grabarbeiten betreiben, in Verzückung versetzte. “Beide Stollen wurden ausschließlich mit Schlägel und Eisen vorangetrieben. Die Spuren sind noch heute überall zu sehen. Durch diese Vorgehensweise kamen die Bergleute etwa zwei bis drei Meter pro Tag tiefer in den Berg.”

Der größte Wunsch der heutigen Freizeit-Buddler ist die Einrichtung eines Freilichtmuseums, das beim geologischen Lehrpfad am Ende des Schlierbachwegs in Schabenhausen entstehen soll. Schon konnte der Verein drei Loren, einen Kran sowie anderes Bergwerksgerät sammeln und zum “Otto”-Stollen bringen. Wenn das Museum einmal eröffnet wird, dann liegt ein weiter Weg mit vielen Zufällen hinter den Organisatoren.

Begonnen hatte alles mit Rolf Roschlaub, der sich mit der Geschichte des Schabenhausener Bergbaues beschäftigte. 1989 ließ man einen Baggerfahrer kommen, der beim ehemaligen Steinbruch am Kohlerberg den Untergrund aufwühlte. Er wollte schon ergebnislos die Arbeit abbrechen, als er auf Drängen seines Auftraggebers noch zwei Schaufelladungen in den Berg grub. Dabei tauchten die ersten Hinweise auf einen Kupferstollen auf. Zur 900-Jahr-Feier Niedereschachs wurde ein Heimatbuch herausgebracht, für das Otto Stecker, der Vater von Dirk, einen bergbaulichen Beitrag schrieb. Demnach ist der Bergbau bereits für das Jahr 1511 nachgewiesen, “könnte aber auch 1507 begonnen haben.”

1991 schließlich wurde der heutige Verein ins Leben gerufen, der bis heute an zwei Stollen die Geschichte der Region erforscht: im “Karl im Mailänder” und “Otto am Kohlerberg”. Im Gewann Mailänder wurde vor über 400 Jahren Silber gefördert. Das Tropfwasser wurde in der eigens gebauten Brunnenstube aufgefangen und nach außen befördert. Bis heute wurde der Stollen auf einer Länge von 150 Metern ausgegraben. Ein eingestürzter Wetterschacht versperrt den weiteren Weg in die Tiefe und soll freigelegt werden. Der zweite Stollen, “Otto am Kohlerberg”, reicht bis zu 50 Meter in den Berg und diente dem Kupferabbau.

In beiden Stollen steht noch jede Menge Arbeit an. Und darum sind aktive Mitglieder herzlich willkommen. Der Verein zählt rund 50 Mitglieder; sie kommen aus der gesamten Region, aber auch aus Berlin und Duisburg. Wer sich “auf die harte Knochenarbeit” einlassen will, ist herzlich willkommen in einem Verein, der Durchschnittsalter von lediglich 25 Jahren aufweisen kann.